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Bernhard Waldenfels’ „Phänomenologie des Fremden“ ist eine Denkweise, die über die klassische Phänomenologie hinausgeht und sich mit den Brüchen, Störungen und Exzessen an den Grenzen der Ordnung befasst. Demnach ist der „Fremde“ nicht bloß eine äußere Bedrohung oder das Unbekannte; im Gegenteil, er manifestiert sich unmittelbar in uns selbst, in unseren Alltagsroutinen, ja sogar in unseren Wohnungen. In diesen Brüchen erwacht die phänomenologische Aufmerksamkeit: Der „Fremde“ erscheint mit etwas, das unsere Aufmerksamkeit fesselt.
Obwohl sich die Phänomenologie des Fremden in der von Husserl begründeten Tradition entwickelte, befasst sie sich nicht nur mit Bewusstseinsorientierungen, sondern auch mit Begegnungen, Anrufungen und unseren Reaktionen. Waldenfels’ Phänomenologie ist daher „responsiv“, das heißt, sie konzentriert sich auf das Reagieren. Hier ist das „Selbst“ niemals allein in sich selbst; es ist immer körperlich, immer halb offen, immer auf den Anderen ausgerichtet.
Die zentralen Motive dieses Gedankens sind: Ordnung und das, was außerhalb von ihr liegt , der Körper , Pathos (affektive Wirkung) , Aufmerksamkeit , Reaktion und Interkulturalität . Diese Motive öffnen die Tür nicht nur zu einer theoretischen, sondern auch zu einer lebenswichtigen Frage: Was tun wir, wenn wir dem Fremden begegnen? Unterdrücken wir ihn oder reagieren wir auf ihn, ohne ihm seine Dornen zu nehmen?
Waltenfels bereichert diese Untersuchung mit Ethnologie, Psychoanalyse und Literatur. Neben Freud, Mauss und Bachtin tragen auch Schriftsteller wie Kafka, Calvino, Musil und Valéry zur Vielfalt und Nuancen dieses Gedankens bei. Entfremdung betrifft nicht nur das Andere, sondern auch das, was wir in uns selbst verdrängen und ignorieren. Diese Denkweise, für die es im Türkischen noch keine adäquaten Entsprechungen gibt, versucht zu verstehen, wie das „Fremde“ in uns lebt.
Die Phänomenologie des Fremden, als ethisches Denken, das Grenzen überwinden will, ohne sie aufzuheben, zeichnet nicht globalistische Abstraktionen oder eine einheitliche Universalität nach, sondern Differenzen und Begegnungen. Sie kehrt zu einer der tiefsten Fragen der Philosophie zurück: Was tun wir mit dem, was uns fremd ist, wahrhaft fremd?
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| Weşanxane | Avesta-Veröffentlichungen |
| Nivîskar | Bernhard Waldenfels |
| Rûpel | 136 |
| Sal | 2010 |
| Ziman | Türkçe |
| Isbn | 9786055585228 |
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